EU-Außenbeauftragte Kallas wirft USA Spaltungsversuche vor – Ein Interview löst Debatte aus.
Brüssel/Berlin, 13. März 2026 – In einem aufsehenerregenden Interview mit der "Financial Times" hat die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas schwere Vorwürfe gegen die Vereinigten Staaten erhoben. Die estnische Politikerin, die seit kurzem das Amt der EU-Topdiplomatin innehat, warf Washington vor, aktiv an der Zersetzung der Europäischen Union zu arbeiten. Ihre Aussagen, die auf offiziellen US-Strategiedokumenten basieren, haben in Europa und jenseits des Atlantiks für Aufsehen gesorgt und unterstreichen die wachsenden Spannungen in den transatlantischen Beziehungen.Kallas, die zuvor als estnische Ministerpräsidentin bekannt war, begründete ihre Behauptungen mit einer detaillierten Analyse der US-Politik unter Präsident Donald Trump. "Was meiner Meinung nach für alle wichtig zu verstehen ist, ist, dass die USA ganz klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie Europa spalten wollen. Sie mögen die Europäische Union nicht", sagte sie in dem Gespräch.
Sie verwies explizit auf die nationale Sicherheitsstrategie und die nationale Verteidigungsstrategie der USA, die im Dezember und Januar vom Weißen Haus veröffentlicht wurden. "Wenn man die nationale Sicherheitsstrategie und die nationale Verteidigungsstrategie liest, sollte man sich meiner Meinung nach keine Illusionen machen", betonte Kallas. Die EU-Diplomatin beschrieb die Methoden der USA als solche "unserer Gegner" – ein Vergleich, der an die Taktiken autoritärer Regime wie Russland oder China erinnert.
Als konkrete Beispiele nannte sie die Unterstützung für EU-skeptische Kräfte wie den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán oder die deutsche AfD, die Einführung von Zöllen auf europäische Produkte sowie Untersuchungen zu Handelspraktiken, die bis zum Sommer zu neuen Tarifen führen könnten. Sogar die Diskussion über eine Annexion Grönlands, inklusive möglicher militärischer Mittel, wurde von Kallas als Indiz für eine aggressive US-Haltung gegenüber Europa angeführt. Trotz der scharfen Kritik räumte Kallas ein, dass Europa derzeit stark von den USA abhängig sei, insbesondere im Verteidigungsbereich. "Wir müssen in Amerika einkaufen, weil wir nicht über die erforderlichen Vermögenswerte, Möglichkeiten oder Fähigkeiten verfügen", gab sie zu.
Gleichzeitig plädierte sie für eine Stärkung der europäischen Verteidigungsindustrie und eine "Europäisierung" der NATO, um unabhängiger zu werden. Die transatlantischen Beziehungen müssten an "neue Realitäten" angepasst werden, forderte sie, ohne jedoch auf direkte Gegenargumente aus Washington einzugehen.
Das Interview, das am Freitagmorgen vom "Spiegel" auf X (ehemals Twitter) geteilt wurde, löste umgehend Reaktionen aus. In den Kommentaren unter dem Post mischten sich Zustimmung und Kritik: Einige Nutzer lobten Kallas' Klarheit und forderten ein stärkeres Europa, während andere sie als "überfordert" oder ihre Aussagen als "Projektion" abtaten. Bislang gibt es keine offizielle Stellungnahme aus dem Weißen Haus zu den Vorwürfen.Kallas' Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, da die EU mit internen Herausforderungen ringt – von wirtschaftlichen Spannungen bis hin zu populistischen Bewegungen. Experten sehen in ihren Worten einen Weckruf für eine unabhängigere EU-Außenpolitik. Ob dies zu konkreten Schritten führt, bleibt abzuwarten.
ᴛᴇxᴛ:ʜᴇ/ᴀɪ/xᴀɪ - ɪɴᴘᴜᴛ:ɪɴᴛᴇʀɴᴇᴛ/ᴘʀᴇꜱꜱ

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