15 April 2026
Ölkonzerne profitieren vom Nahost-Konflikt
Energiepreisschock trifft Deutschland hart – Ökonomen warnen vor Pleitewelle
Folgen des Iran-Kriegs: Energiepreisschock trifft Deutschland hart – Ökonomen warnen vor Pleitewelle, Inflation und höheren Zinsen
Berlin (dpa) – Unternehmen und Verbraucher in Deutschland ächzen bereits unter massiv steigenden Energiepreisen. Ökonomen warnen eindringlich: Es steht noch Schlimmeres bevor. Der durch den Iran-Krieg ausgelöste Preisschock bei Gas und Öl droht eine neue Inflationswelle auszulösen, die Europäische Zentralbank zu höheren Zinsen zu zwingen und eine Welle von Unternehmenspleiten zu beschleunigen. Der Wirtschaftsstandort Deutschland gerät damit unter erheblichen Druck.
Wie die ARD-Finanzredaktion berichtet, ist der Gaspreis für Neukunden auf fast elf Cent pro Kilowattstunde geklettert – ein Plus von rund 30 Prozent gegenüber dem Stand unmittelbar vor Kriegsbeginn und der höchste Wert seit drei Jahren. Die Inflationsrate stieg im März auf 2,7 Prozent im Vorjahresvergleich. Im ersten Quartal 2026 erreichte die Zahl der Firmeninsolvenzen den höchsten Stand seit über 20 Jahren.
„Die Preise für private Verträge sind zwar noch fix, doch der Anstieg wird in den kommenden Monaten spürbar“, erklärte Energieexperte Andreas Goldthau von der Universität Erfurt. Unternehmen müssten höhere Produktionskosten bereits jetzt verkraften und diese langfristig an die Verbraucher weitergeben – mit Folgen für Lebensmittelpreise und andere Güter.Kapitalmarktexperte Hans-Jörg Naumer von Allianz Global Investors sieht die Wachstumserwartungen für Deutschland „langsam gestrichen“. Der Energiepreisschock treffe auf eine ohnehin schwache Konjunkturphase, hohe Steuer- und Bürokratiebelastungen sowie zahlreiche staatliche Ausgaben.
Auch Karsten Neuhoff vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mahnt: Kurzfristige Entlastungen allein reichten nicht aus. Entscheidend sei eine stabile und bezahlbare Energieversorgung. „Wenn diese Perspektive da ist, kommen wir auch durch eine kritische Situation in diesem Jahr durch“, so Neuhoff.
Besonders betroffen sind Speditionen, Logistikfirmen sowie Bus-, Taxi- und Mietwagenbetriebe. Verkehrsverbände haben in einem offenen Brief an Bundeskanzler Merz vor Gefahren für Versorgungssicherheit, Mobilität und Arbeitsplätze gewarnt. Die Bundesregierung plant eine vorübergehende Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe, doch Ökonomen äußern sich skeptisch zur Wirksamkeit solcher Maßnahmen.
Experten rechnen damit, dass die EZB auf die steigende Inflation mit höheren Zinsen reagieren könnte – was die ohnehin angespannte Finanzierungslage vieler Unternehmen weiter verschärfen würde. Eine breit angelegte Teuerungsphase habe bereits begonnen und drohe sich auszuweiten.
Der aktuelle Schock durch den Iran-Krieg und die mögliche Blockade der Straße von Hormus trifft einen ohnehin geschwächten Standort. Ohne rasche Perspektiven für bezahlbare Energie droht Deutschland eine harte Belastungsprobe.
* * * * ᴛᴇxᴛ:ʜᴇ/ᴀɪ - 𝕼𝖚𝖊𝖑𝖑𝖊: ʙᴜsɪɴᴇss / ᴡᴏʀʟᴅ ᴘʀᴇꜱꜱ/ ᴱˣᴀɪ
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Waffenruhe im Iran-Konflikt – Das Hormus-Problem bleibt
Die Hoffnung ist groß,
dass nach der verkündeten Waffenruhe zwischen den USA und Iran der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus rasch wieder in Gang kommt und die Weltwirtschaft aufatmet. Ökonomen bleiben jedoch skeptisch – und US-Präsident Donald Trump sorgt mit der Idee eines gemeinsamen Maut-Projekts mit Teheran für zusätzliche Irritation.
Nur Stunden vor der Feuerpause wurde das vom dänischen Maersk-Konzern gecharterte Schiff „Qingdao Star“ im Persischen Golf getroffen. Auch danach gab es Berichte über weitere Einschläge. Große Reedereien wie Hapag-Lloyd und TUI Cruises zögern deshalb weiterhin, ihre seit Wochen festsitzenden Frachter und Kreuzfahrtschiffe durch die Meerenge zu schicken. Lediglich die französische CMA CGM bereitet bereits Ausfahrten vor.
Die Waffenruhe gilt zunächst nur zwei Wochen. Ein dauerhafter Frieden ist nicht in Sicht. Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr warnt vor „Jo-Jo-Effekten“ wie in der Coronakrise: Die Straße von Hormus könnte sich immer wieder öffnen und schließen. „Selbst bei echtem Frieden haben die vergangenen sechs Wochen irreparablen Schaden verursacht“, sagt er. Auch Stefan Kooths vom Kiel Institut für Weltwirtschaft rechnet mit Belastungen für die deutsche Wirtschaft bis Ende 2027. Die Energiepreise bleiben hoch, Lieferketten gestört, die Inflation erhöht.
Trotz jüngster Preisrückgänge liegt Brent-Öl noch immer etwa zehn Dollar je Barrel über dem Vorkrisenniveau – selbst für Lieferungen Ende 2027.
Streit um eine neue Maut
Besonders umstritten ist die künftige Nutzung der Meerenge. Iran fordert eine Abstimmung mit seinen Streitkräften, darunter den Revolutionsgarden. Sowohl Iran als auch Oman wollen künftig Gebühren erheben, um den Wiederaufbau zu finanzieren. Medien berichten von geplanten einem Dollar pro Barrel Rohöl. Ein Supertanker kann bis zu zwei Millionen Barrel laden.
Eine solche Maut würde gegen das UN-Seerecht verstoßen. Die Straße von Hormus gilt bislang als internationaler Schifffahrtsweg, der frei und kostenlos passierbar ist. Vor der Krise lief dort ein Fünftel des weltweiten Rohölverbrauchs durch. Westliche Reedereien riskieren bei Zahlungen zudem Verstöße gegen EU- und US-Sanktionen.
US-Präsident Donald Trump äußerte sich überraschend positiv zu den Plänen. Gegenüber ABC sagte er, man denke über ein „Joint Venture“ mit Teheran nach. Das könne die Meerenge sichern – „eine schöne Sache“.
Die Golfstaaten reagieren empört. „Die Straße von Hormus ist kein Suezkanal“, betont Nahost-Expertin Amena Bakr. Eine iranische Kontrolle mit Maut sei für sie inakzeptabel. Ökonom Felbermayr warnt: Die Region verliere ihr Geschäftsmodell als globale Drehscheibe.
Hinzu kommt: Viele Öl- und Gasanlagen im Nahen Osten sind zerstört. Eine schnelle Rückkehr zum Vorkriegsniveau ist unrealistisch. Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben-Jansen rechnet jedoch damit, dass das regionale Routennetz bei dauerhaftem Frieden in sechs bis acht Wochen wieder stehen könnte.
Fazit: Die zweiwöchige Waffenruhe bringt eine Atempause, löst aber das Kernproblem nicht. Solange die Durchfahrt durch die Straße von Hormus nicht klar und völkerrechtskonform geregelt ist, drohen der Weltwirtschaft anhaltende Unsicherheit, höhere Energiepreise und gestörte Lieferketten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob aus der Feuerpause mehr wird als eine kurze Verschnaufpause.
* * * * ᴛᴇxᴛ:ʜᴇ/ᴀɪ - 𝕰𝖝𝔸𝕀 - 𝕼𝖚𝖊𝖑𝖑𝖊: ɪɴᴛᴇʀɴᴇᴛ/ᴘʀᴇꜱꜱ/ᴀɪ 𝔗𝔥𝔢 𝔈𝔵𝔠𝔢𝔩𝔩𝔢𝔫𝔠𝔶





