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30 April 2026

Merz attackiert freie Meinungsäußerung im Netz

„Giftige Anonymität“ – Merz attackiert freie Meinungsäußerung im Netz

Salzwedel, 30. April 2026 – Beim „Tag des Lokaljournalismus“ in der altmärkischen Kreisstadt Salzwedel hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erneut seinen Unmut über die sozialen Medien zum Ausdruck gebracht. Vor lokalen Journalisten und Bürgern beklagte der Kanzler, dass in den Plattformen „jeder anonym einfach sagen kann, was er gerade so denkt und wie er denkt, und in einer Sprache, die ich einfach schwer erträglich finde“. Die Folge sei eine „giftige Wirkung auf das gesellschaftliche Klima“, weil das politische Spitzenpersonal – auch er selbst – „in einer Art und Weise angegriffen wird – auch persönlich angegriffen und herabgesetzt wird“.
Der Kanzler machte keinen Hehl daraus, dass er diese Entwicklung als bedauerlich empfindet: „Ich muss das ertragen. Ich kann es nicht ändern. Ich finde es bedauerlich. Es vergiftet einen Teil des politischen Klimas in unserem Land.“ Die Aussage reiht sich nahtlos in eine Serie ähnlicher Äußerungen ein. Bereits beim politischen Aschermittwoch der CDU in Trier hatte Merz gefordert: „Ich möchte Klarnamen im Internet sehen. Ich möchte wissen, wer da sich zu Wort meldet.“ Damit positioniert sich der Kanzler klar gegen die derzeitige Praxis vieler Plattformen, die pseudonyme oder anonyme Beiträge zulassen.
Hintergrund der Debatte ist ein Antrag des CDU-Landesverbands Schleswig-Holstein unter Daniel Günther beim Bundesparteitag im Februar 2026 in Stuttgart. Die Delegierten lehnten eine verbindliche Klarnamenpflicht jedoch ab und beschlossen stattdessen ein Verbot von Social-Media-Nutzung für Jugendliche unter 14 Jahren. Kritiker sehen in Merz’ Vorstoß einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und den Schutz der Privatsphäre. Befürworter argumentieren hingegen, dass echte Verantwortlichkeit im Netz notwendig sei, um Hass, Beleidigungen und Desinformation einzudämmen.

Der Auftritt des Kanzlers in Salzwedel zeigt einmal mehr die Spannung zwischen dem Wunsch nach zivilisiertem Diskurs und der Realität eines offenen, oft ungeschützten digitalen Raums. Während Merz die Anonymität als Ursache für die „herablassenden Äußerungen“ gegenüber Politikern ausmacht, verweisen Kommentatoren im Netz selbst auf die Ursachen: wachsende Distanz zwischen Bürgern und politischer Elite, wahrgenommene Politikferne und das Gefühl, dass kritische Stimmen in traditionellen Medien zu wenig Gehör finden.
Ob die Forderung nach Klarnamenpflicht in der laufenden Legislaturperiode wieder auf die Agenda kommt, bleibt abzuwarten. Bis dahin dürfte die Debatte um Anonymität, Freiheit und Verantwortung im Netz weiter hochkochen – ganz gleich, ob unter Klarnamen oder nicht.

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Non-Food-Discounter auf dem Vormarsch

Non-Food-Discounter auf dem Vormarsch: Wie Action, Woolworth und Tedi den Fachhandel verdrängen

Discounter wie Action, Woolworth und Tedi prägen zunehmend das Bild deutscher Innenstädte. Was als Ergänzung zum klassischen Einzelhandel begann, hat sich zu einer strukturellen Verschiebung entwickelt. Nach aktuellen Auswertungen des Handelsforschungsinstituts IFH Köln rücken Non-Food-Discounter immer stärker in den Alltag der Verbraucher. In mehreren Warengruppen übernehmen sie heute Aufgaben, die früher dem Fachhandel vorbehalten waren. Besonders betroffen sind Do-it-yourself-Artikel, Haushaltswaren, Saisonprodukte, Dekoration sowie Schreib- und Spielwaren.

Treiber dieser Entwicklung ist eine Kombination aus hoher Preissensibilität und veränderter Konsummentalität. In einer repräsentativen Umfrage des IFH Köln gaben 85 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwei Jahren bei Non-Food-Discountern eingekauft zu haben. Auffällig ist der hohe Anteil an Spontankäufen sowie der Umstand, dass viele Kunden Produkte erwerben, die sie bei klassischen Fachhändlern nicht nachfragen würden. Preis und unmittelbare Verfügbarkeit schlagen Beratung und Langlebigkeit zunehmend aus dem Feld.

Die wirtschaftlichen Folgen für den stationären Fachhandel sind erheblich. Während Non-Food-Discounter ihren Marktanteil im Einzelhandel seit 2006 deutlich ausbauen konnten, hat sich der Anteil des nicht filialisierten Fachhandels nahezu halbiert. Parallel dazu beschleunigt sich die Marktbereinigung. Nach Zahlen des Kreditversicherers Allianz Trade erreichten die Insolvenzen im deutschen Einzelhandel 2025 mit 2.571 Fällen den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt. Besonders betroffen sind kleinere, inhabergeführte Betriebe mit begrenzter Kapitaldecke.

Auch angrenzende Handelsformate geraten unter Druck. Baumärkte verzeichneten 2025 das dritte Umsatzminus in Folge. In den Kernsortimenten Werkzeug, Gartengeräte und Haushaltswaren sanken die Erlöse jeweils um rund vier Prozent. Branchenanalysen zeigen, dass Gelegenheitskäufer zunehmend auf das günstigere Sortiment der Discounter ausweichen. Für einfache Anwendungen genügt die Qualität, während der Preisunterschied kaufentscheidend wird. In der Summe erzielen allein Action, Woolworth und Tedi inzwischen Umsätze im Bau- und Gartenbereich in Milliardenhöhe.

Die Expansion der Discounter verstärkt diesen Effekt. Action betreibt aktuell mehr als 600 Filialen in Deutschland und hat sein europaweites Netz bis Ende 2025 auf über 3.300 Standorte ausgebaut. Das Wachstum folgt einem klaren Muster: standardisierte Flächen, hohe Warenrotation, aggressive Preispolitik und stetig wechselnde Sortimente. Innenstädte profitieren kurzfristig von Frequenz, verlieren jedoch langfristig an Vielfalt.

Zusätzlich verschärft der internationale Onlinehandel den Wettbewerbsdruck. Eine Studie von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland beziffert den jährlichen Umsatzverlust für den deutschen Einzelhandel durch die Plattformen Temu und Shein auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der wirtschaftliche Gesamtschaden liegt deutlich höher, da Wertschöpfungsketten, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen betroffen sind. Bereits mehr als 40.000 Stellen im Handel gelten als weggefallen.

Die strukturelle Veränderung im Einzelhandel ist damit keine vorübergehende Delle, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels. Preisorientierung, Skaleneffekte und internationale Wettbewerber setzen den klassischen Fachhandel von mehreren Seiten unter Druck. Ohne klare Positionierung, Spezialisierung und verbesserte Rahmenbedingungen droht vielen Innenstädten ein weiterer Verlust an wirtschaftlicher Substanz und gestalterischer Identität.

Quellen:
  
IFH Köln  
Allianz Trade  
Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten  
IW Consult  
Handelsverband Deutschland  
Branchen- und Unternehmensveröffentlichungen 2025–2026

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28 April 2026

Was bedeutet die Zuckersteuer für uns Verbraucher?

Die Bundesregierung plant offenbar die Einführung einer gestaffelten **Zuckersteuer** (offiziell: Zuckerabgabe) auf zuckergesüßte Getränke wie Limonaden, Colas und Energy-Drinks. Dies ist keine bloße Idee mehr, sondern Teil der aktuellen Haushalts- und Gesundheitsreform.

Was bedeutet die Zuckersteuer konkret für die Verbraucher?

Die Expertenkommission unter Nina Warken (CDU, Bundesgesundheitsministerin) schlägt eine klare Staffelung vor: Getränke mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter bleiben steuerfrei. Bei 5 bis unter 8 Gramm fallen 26 Cent pro Liter an, ab 8 Gramm und mehr 32 Cent pro Liter. Die Sätze sollen jährlich an die Inflation angepasst werden. Ausgenommen sind 100-Prozent-Fruchtsäfte und Getränke mit Süßstoffen. Die Steuer wird beim Hersteller erhoben und soll voraussichtlich ab 2028 gelten.

Für den Durchschnittsverbraucher bedeutet das: Eine 1,5-Liter-Cola-Flasche mit typisch hohem Zuckergehalt (rund 10–11 Gramm pro 100 ml) könnte um 40 bis 50 Cent teurer werden – je nachdem, ob die Hersteller die Steuer vollständig an den Preis weitergeben oder ihre Rezepturen umstellen (wie es in Großbritannien nach Einführung einer ähnlichen Steuer 2018 geschah). Softdrinks, die in Deutschland pro Kopf mit 125 Litern jährlich einen der höchsten Verbräuche in Westeuropa haben, würden spürbar teurer.

Positive Effekte (laut Befürwortern):

- Hersteller haben Anreiz, den Zuckergehalt zu senken, um Steuern zu sparen.  
- Der Konsum sinkt – besonders bei preissensiblen Haushalten mit niedrigem Einkommen.  
- Langfristig könnten Adipositas, Typ-2-Diabetes und Karies zurückgehen. Simulationen für Deutschland prognostizieren Einsparungen von bis zu 16 Milliarden Euro an direkten und indirekten Gesundheitskosten über 20 Jahre.

Kritische Aspekte (laut Gegnern):

- Die Steuer ist regressiv: Sie trifft einkommensschwache Verbraucher härter, die oft zu günstigen Limonaden greifen und nicht ohne Weiteres auf teurere Alternativen ausweichen können.  
- Viele wechseln einfach zu anderen kalorienreichen Produkten (Süßigkeiten, Fast Food) – der Gesamtkalorienverzehr ändert sich nicht zwangsläufig.  
- In Zeiten hoher Lebenshaltungskosten wirkt sie wie eine zusätzliche Belastung für die arbeitende Mittelschicht, während der Staat Mehreinnahmen von rund 450 Millionen Euro pro Jahr kassiert – Geld, das in die gesetzliche Krankenversicherung fließen soll.

Was sagt die Presse? Ein Überblick über die Reaktionen

Die Berichterstattung ist ausgewogen, aber tendenziell kritisch gegenüber der reinen „Bevormundung“-These. Die **ZEIT** berichtet nüchtern über den Haushaltsaspekt: Die Abgabe dient primär der Schließung von Finanzlöchern in der Gesundheitsreform, nicht allein der Prävention. Kommentare loben den gesundheitlichen Nutzen („längst überfällig“), andere spotten über die CDU, die früher gegen solche „Verbotspartei“-Ideen wetterte.

**SPIEGEL** und **tagesschau.de** heben die wissenschaftliche Evidenz hervor: Über 100 Länder haben Zuckersteuern eingeführt, darunter Großbritannien und Polen, wo der Zuckergehalt in Getränken deutlich gesunken ist. Experten wie Karl Emmert-Fees (TU München) rechnen mit messbaren Rückgängen bei Übergewicht und Folgeerkrankungen. Gleichzeitig wird die soziale Schieflage thematisiert: „Eine zusätzliche Belastung für Verbraucher, die besonders diejenigen trifft, die weniger Geld haben.“

**BR** und **ZDF** zitieren Umfragen (ARD-DeutschlandTrend): 72 Prozent der Befragten sehen gesundheitsschädliche Stoffe wie Zucker kritisch und sind offen für Lenkungssteuern – doch viele Verbraucher vor Ort nennen die Idee „Quatsch“. Die Lebensmittelindustrie (Zuckerverbände, Lebensmittelverband Deutschland) warnt vor Bürokratie, Substitutionseffekten und fehlender Wirksamkeit: „Eine Zuckersteuer schützt nicht vor Übergewicht.“ Sie verweist auf die (mittlerweile ausgelaufene) freiwillige Reduktionsstrategie von 2019.

Verbraucherschützer (Verbraucherzentrale Bundesverband, foodwatch) und rund 4.000 Ärzte drängen hingegen massiv: „Zuckersteuer ist überfällig.“ Sie argumentieren, der übermäßige Zuckerkonsum verursache Milliardenkosten für das Gesundheitssystem – und die Steuer sei ein wirksames, evidenzbasiertes Instrument.

Stimmen und Tweets: Die öffentliche Reaktion

In den sozialen Medien dominieren Skepsis und Sarkasmus. Viele Nutzer sehen die Steuer nicht primär als Gesundheitsmaßnahme, sondern als weiteren Griff in die Tasche der Bürger. Beispiele aus aktuellen Posts (Stand 28. April 2026):

- Ein User schreibt: „Durch die kommende #Zuckersteuer werden viele örtliche Zuckerfeste 2027 aus steuerlichen Gründen nicht mehr durchführbar sein, warnt heute bereits die evangelische Kirche Deutschland.“ (mit ironischem Bild)

- Ein anderer kommentiert: „Es sagt schon viel über uns aus, wenn unsere Medien von Deutschland in der Krise sprechen und dann die Zuckersteuer in der Debatte als Lösung angeboten wird. Uns kann man echt nicht mehr helfen.“

- Kritik an der Politik: „Leute hört auf mit diesen unsinnigen Petitionen und dem Wehklagen. Was Deutschland braucht, ist den Generalstreik. Bundesregierung Merz Klingbeil Massenmigration Ukraine-Krieg Tabaksteuer Zuckersteuer Luftsteuer.“

- Wirtschaftlich-pragmatisch: „Ich frage mich, ob in einem oligopolistischen Lebensmitteleinzelhandels-Markt wie Deutschland die Zuckersteuer von den Großen nicht einfach an Endverbraucher durchgereicht wird?“

Ältere Posts aus der Debatte Ende 2025 zeigen ähnliche Polarisierung: „Nein zur Zuckersteuer! Es geht denen nicht um unsere Gesundheit, sondern um neue Staatseinnahmen!“ (mit hoher Reichweite).

Politiker positionieren sich klar: Daniel Günther (CDU, Ministerpräsident Schleswig-Holstein) treibt den Vorstoß seit Monaten über den Bundesrat und nennt ihn „politisch und ökonomisch längst geboten“. Nina Warken unterstützt die Kommissionsempfehlung, sieht aber noch Gesprächsbedarf in der Koalition. Lars Klingbeil (SPD) zeigt sich offen. Ernährungsminister Alois Rainer (CSU) bleibt skeptisch. 

Die geplante Zuckersteuer ist ein klassischer Zielkonflikt: Sie verspricht langfristige Gesundheitsgewinne und bescheidene Mehreinnahmen, birgt aber die Gefahr einer weiteren Verteuerung des Alltags und paternalistischer Bevormundung. Ob sie wirklich zu weniger Zucker in den Regalen und gesünderen Bürgern führt oder nur als Finanzierungsinstrument dient, wird sich zeigen – wenn das Kabinett am 29. April 2026 die Eckpunkte beschließt. Für Verbraucher bleibt vorerst die Frage: Greife ich künftig öfter zur Wasserflasche – oder einfach zur teureren Cola?

Die Debatte wird weitergehen. Die Presse liefert Fakten, die Bürger auf X ihre ungeschminkte Meinung. Am Ende entscheidet die Politik – und der Einkaufszettel jedes Einzelnen.


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Fauxpas in der ARD-Arena

Louis Klamroth nennt 70.000-Euro-Verdiener „reich“ – Shitstorm auf X und scharfer Konter von Markus Söder

Berlin/Hamburg, 28. April 2026 – Ein Satz in der neuen ARD-Bürgertalk-Sendung „Arena“ hat am Montagabend für heftige Reaktionen gesorgt. Moderator Louis Klamroth erklärte im Gespräch mit Bürgern und CSU-Chef Markus Söder, dass bereits ein zu versteuerndes Einkommen von rund 69.879 Euro pro Jahr jemanden „reich“ mache. Der Vorwurf: Realitätsverlust eines öffentlich-rechtlichen Spitzenverdiener.
Die Sendung „Arena“ – ein neues Diskussionsformat der ARD mit Bürgerbeteiligung – widmete sich Themen wie Steuern, Rente und Bürokratie. Klamroth moderierte gemeinsam mit Jessy Wellmer. Im Kontext der Debatte um höhere Abgaben für Besserverdiener und die Finanzierung des Sozialstaats fiel der umstrittene Satz. Markus Söder konterte unmittelbar und deutlich: „Das ist für Sie schon reich? Ein Facharbeiter, Mittelständler, Handwerksmeister ist für Sie ein reicher Mann? Keiner von denen verdient annähernd so viel wie Sie.“ Klamroth räumte ein: „Wahrscheinlich haben Sie recht.“

Der Wortwechsel wurde schnell viral. Auf der Plattform X (ehemals Twitter) entbrannte binnen Stunden ein Shitstorm. Nutzer warfen Klamroth vor, als ARD-Moderator mit einem geschätzten Honorar von bis zu 18.000 Euro pro Sendung (bei mehreren Ausstrahlungen pro Jahr ein Jahreseinkommen im hohen sechsstelligen Bereich aus Gebührenmitteln) den Blick für die reale Einkommenssituation in Deutschland verloren zu haben. Posts mit Clips aus der Sendung erreichten zehntausende Views und kritisierten vor allem die vermeintliche Doppelmoral: „Der GEZ-Millionär nennt 70k reich“ lautete eine häufig geteilte Formulierung.

Klamroth selbst ist kein Unbekannter in der Debatte um Neutralität im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Seit Januar 2023 moderiert er die ARD-Talkshow „Hart aber fair“ als Nachfolger von Frank Plasberg. Bereits 2022 hatte er öffentlich gemacht, dass er seit etwa 2021 mit der prominenten Klimaaktivistin Luisa Neubauer liiert ist. Neubauer, bekannt als Gesicht von Fridays for Future, stammt aus einer Familie mit wirtschaftlichem Hintergrund (Reemtsma-Verbindung wird in Teilen der Debatte thematisiert). Damals hatte Klamroth betont, seine Partnerin werde nie Gast seiner Sendung sein – um Neutralitätsvorwürfe zu entkräften. Dennoch flammt die Diskussion um mögliche Befangenheit bei politisch aufgeladenen Themen wie Steuern und Verteilungsgerechtigkeit nun neu auf.

ARD und Klamroth haben sich bislang nicht öffentlich zu dem Vorfall geäußert. Auf X dominieren jedoch Forderungen nach mehr Transparenz bei Moderatorengehältern und Kritik am „abgehobenen“ Ton des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ob der Fauxpas nachhaltige Konsequenzen für Klamroths Rolle als Gesicht der ARD hat, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte um „Reichsein“ in Deutschland hat durch den ARD-Auftritt eine neue, sehr persönliche Ebene erhalten.

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27 April 2026

Moskau zitiert deutschen Botschafter ein

Moskau zitiert deutschen Botschafter ein: Neuer diplomatischer Eklat wegen Treffen von Roderich Kiesewetter mit tschetschenischem Exilpolitiker Achmed Sakajew

Berlin/Moskau/Kiew – 27. April 2026. In einer weiteren Eskalationsstufe der ohnehin frostigen deutsch-russischen Beziehungen hat das russische Außenministerium am Montag den deutschen Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, einbestellt. Dem Diplomaten wurde ein „entschiedener Protest“ übermittelt – ausgelöst durch ein Treffen des CDU-Bundestagsabgeordneten und Auswärtigen-Ausschuss-Mitglieds Roderich Kiesewetter mit dem tschetschenischen Exilpolitiker Achmed Sakajew in der ukrainischen Hauptstadt Kiew Mitte April. Moskau wertet die Begegnung als Beleg für eine aktive deutsche Einmischung in innere russische Angelegenheiten und als Unterstützung „terroristischer Strukturen“.

Das russische Außenministerium teilte in einer offiziellen Erklärung mit, die Einbestellung sei erfolgt, weil Kiesewetter die „antirussischen Aktivitäten“ von Angehörigen der von Russland als terroristisch verbotenen „Tschetschenischen Republik Itschkerien“ begrüßt und zu engerer Zusammenarbeit mit Deutschland aufgerufen habe. Konkret werde Sakajew beschuldigt, an Sabotageakten in den russischen Grenzregionen Belgorod und Kursk beteiligt zu sein. Zudem habe der deutsche Abgeordnete angeblich die Anwerbung russischer Emigranten in Deutschland für Destabilisierungsoperationen befürwortet. „Gegen Russland gerichtete feindliche Schritte werden unweigerlich eine angemessene Antwort nach sich ziehen“, hieß es in der Mitteilung der Botschaft der Russischen Föderation in Deutschland auf X.

Der konkrete Anlass: Ein Treffen in Kiew unter ukrainischer Vermittlung

Roderich Kiesewetter hatte die Ukraine Mitte April 2026 im Rahmen einer offiziellen Delegationsreise besucht. Das Gespräch mit Achmed Sakajew – dem selbsternannten Präsidenten der Exilregierung der Tschetschenischen Republik Itschkerien – fand laut russischen Angaben unter Mitwirkung des „Regimes von Wladimir Selenskij“ statt. Ein Video der Begegnung, das in sozialen Medien kursiert, zeigt Kiesewetter, wie er Sakajew für seinen „Widerstand gegen russische koloniale und imperiale Hegemonie“ lobt und eine baldige Unabhängigkeit Itschkeriens andeutet.

Aus Sicht Moskaus handelt es sich um eine rote Linie: Die „Tschetschenische Republik Itschkerien“ gilt seit den 2000er-Jahren in Russland als terroristische Organisation. Achmed Sakajew, der 1997 bis 1999 Premierminister und später Präsident der kurzlebigen de-facto-unabhängigen Republik war, lebt seit Jahrzehnten im Exil in Großbritannien. Russland fahndet international nach ihm und wirft ihm Terrorismus vor – eine Einstufung, die westliche Staaten bislang nicht teilen.

Deutsche Seite weist Vorwürfe als „haltlos“ zurück

Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte prompt und nannte die russischen Anschuldigungen „völlig unbegründet“. Ein Sprecher betonte, dass Treffen mit Exiloppositionellen und kritischen Stimmen aus Russland zum normalen diplomatischen und parlamentarischen Austausch gehörten. Roderich Kiesewetter selbst wies die Vorwürfe scharf zurück. Gegenüber deutschen Medien bezeichnete er Russland als „imperialen Terrorstaat“ und Sakajew lediglich als legitimen Vertreter tschetschenischer Unabhängigkeitsbestrebungen sowie als Unterstützer der Ukraine im aktuellen Krieg.

„Es geht hier nicht um Terrorismus, sondern um den Kampf gegen Putins imperiales Russland“, erklärte Kiesewetter in ersten Stellungnahmen. Er sehe Sakajew als „Stimme der unterdrückten tschetschenischen Bevölkerung“ und betonte, dass das Treffen keinerlei operative Zusammenarbeit, sondern einen rein politischen Austausch dargestellt habe.

Historischer und geopolitischer Hintergrund: Tschetschenien im Schatten des Ukraine-Kriegs

Der Konflikt um Tschetschenien reicht weit zurück. Nach dem Zerfall der Sowjetunion erklärte die Republik 1991 ihre Unabhängigkeit als Itschkerien. Zwei blutige Kriege (1994–1996 und 1999–2009) folgten, in denen Russland die Kontrolle zurückerlangte. Unter Präsident Ramsan Kadyrow herrscht seitdem eine autoritäre, moskautreue Regierung – begleitet von schweren Menschenrechtsverletzungen, die von Amnesty International und Human Rights Watch regelmäßig dokumentiert werden.

Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 hat der tschetschenische Faktor neue Brisanz gewonnen. Während Kadyrows Milizen (die „Kadyrowzy“) auf russischer Seite kämpfen, haben sich oppositionelle tschetschenische Einheiten – darunter auch Anhänger von Sakajews Itschkerien-Bewegung – der ukrainischen Armee angeschlossen. Sabotageaktionen in den russischen Grenzgebieten Belgorod und Kursk werden von Kiew und Exiltschetschenen offen als Teil des Widerstands gefeiert. Russland sieht darin eine hybride Bedrohung, die durch westliche Unterstützung – auch aus Deutschland – angeheizt werde.

Roderich Kiesewetter gilt als einer der schärfsten Russland-Kritiker in der Union. Der ehemalige Bundeswehroffizier fordert seit Jahren eine härtere Haltung Berlins gegenüber Moskau, mehr Waffenlieferungen an Kiew und eine Stärkung der NATO-Ostflanke. Seine Reise in die Ukraine war Teil dieser Linie.

Symbolischer Protest mit Signalwirkung

Die Einbestellung von Alexander Graf Lambsdorff ist kein Novum. Bereits im Juni 2025 war der Botschafter wegen angeblicher „Verfolgung“ russischer Journalisten in Deutschland vorgeladen worden. Solche diplomatischen Gesten dienen Moskau regelmäßig dazu, Druck auszuüben und Narrative zu setzen – ohne dass bisher konkrete Gegenmaßnahmen wie Ausweisungen oder neue Sanktionen folgten. Dennoch unterstreicht der Vorfall die tiefen Gräben: Deutschland bleibt einer der größten Unterstützer der Ukraine in Europa, Russland betrachtet jede Form der Zusammenarbeit mit als „anti-russisch“ eingestuften Kräften als direkte Bedrohung.

Beobachter sehen in dem Protest auch einen Versuch Moskaus, innere Opposition zu diskreditieren und die westliche Einheit zu testen. Auf X und in deutschen Medien reichen die Reaktionen von scharfer Kritik an Kiesewetter („Fall für den Verfassungsschutz“) bis hin zu Solidaritätsbekundungen für eine wertebasierte Außenpolitik.

Ob der Vorfall weitere diplomatische Konsequenzen nach sich zieht – etwa eine Verschärfung der ohnehin angespannten Beziehungen oder sogar neue Sanktionsdiskussionen –, bleibt abzuwarten. Fest steht: Der Konflikt um Tschetschenien ist längst nicht mehr nur ein regionaler, sondern ein integraler Bestandteil des großen geopolitischen Ringens um die Ukraine und die Zukunft der europäischen Sicherheitsordnung.

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25 April 2026

Energiewende Deutschland - 12 GW neue Kapazitäten bis 2031

Energiewende im Umbruch: ᴴᴱKatherina Reiche verteidigt Gas-Backups und strukturelle Reformen – Ein Wendepunkt für Deutschlands Stromversorgung?

Berlin, 25. April 2026 – Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat am Mittwoch im Haus der Bundespressekonferenz ihre umstrittenen Pläne zur Reform der Energiewende entschieden verteidigt. Noch in diesem Jahr sollen erste Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von zwölf Gigawatt (GW) starten – eine Maßnahme, die als Rückversicherung gegen „Dunkelflauten“ dienen soll, jene Phasen, in denen Wind und Sonne wenig Strom liefern. „Gerade im Energiebereich haben wir jetzt die Chance zu zeigen, dass wir es mit echten strukturellen Reformen ernst meinen“, sagte Reiche. Energiepolitik müsse wieder „ein verlässliches Fundament für Wachstum, Innovation und industrielle Stärke in Deutschland“ werden.

Die Ministerin betonte, dass die erneuerbaren Energien „das Rückgrat der Stromversorgung“ blieben. Gleichzeitig warnte sie vor einer Energiewende, die Systemkosten ignoriere: Überkapazitäten bei Wind und Solar, die subventioniert ins Ausland exportiert würden, während im Inland die Preise stiegen, seien keine Zukunft. Stattdessen setzt Reiche auf eine pragmatische Ergänzung durch flexible, wasserstofffähige Gaskraftwerke – ein Kurswechsel, der in der Ampel-Nachfolgekoalition unter Kanzler ᴴᴱFriedrich Merz (CDU) für heftige Debatten sorgt.

Die Pläne im Detail: 12 GW neue Kapazitäten bis 2031

Laut internen Informationen aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegen, geht es um Ausschreibungen für insgesamt zwölf Gigawatt neuer Kraftwerksleistung. Davon sollen zehn Gigawatt „Langzeit-Kapazitäten“ sein: Anlagen, die über längere Zeiträume ununterbrochen Strom bereitstellen können – vorrangig Gaskraftwerke. Die verbleibenden zwei Gigawatt sind technologieoffen ausgeschrieben, etwa für Batteriespeicher. Bis zu zwei Drittel der Langzeitkapazitäten sollen gezielt im Süden, Westen und Südwesten Deutschlands entstehen, wo Netzengpässe besonders drücken.
Die Ausschreibungen sind für September und Dezember 2026 geplant. Die Anlagen müssen spätestens 2031 betriebsbereit sein und 15 Jahre lang für die Versorgungssicherheit zur Verfügung stehen. Finanziert werden die Kosten über eine neue Stromumlage, die ab 2031 auf alle Verbraucher umgelegt wird. Ein zentraler Klimaschutzaspekt: Alle geförderten Kraftwerke sollen nach 2045 auf Wasserstoff umgestellt werden und damit klimaneutral arbeiten.

Die Pläne sind Teil eines umfassenderen „Netzpakets“ und einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Ziel ist es, den Ausbau von Wind- und Solaranlagen besser an den schleppenden Netzausbau anzupassen. In Regionen mit hohen Abregelungsquoten (mehr als drei Prozent der Erzeugung im Vorjahr) sollen neue Erneuerbare-Projekte künftig nur ans Netz, wenn Betreiber zehn Jahre lang auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten – der sogenannte „Redispatchvorbehalt“.

Hintergrund: Wo steht die Energiewende 2026?

Deutschland hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte beim Ausbau der Erneuerbaren gemacht. Im ersten Quartal 2026 lag ihr Anteil am Stromverbrauch bei rund 53 Prozent – ein Anstieg um fast sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2025 wird von etwa 55 Prozent ausgegangen. Das Ziel der Bundesregierung: 80 Prozent bis 2030. Wind- und Solarenergie dominieren inzwischen den Mix, während Kohle (2024 noch 21,6 Prozent) kontinuierlich zurückgedrängt wird. Der Kohleausstieg soll spätestens 2038 abgeschlossen sein.

Dennoch bleiben Herausforderungen: Die volatile Erzeugung aus Erneuerbaren erfordert flexible Reserven für Dunkelflauten. Der schrittweise Abschied von Kohle und der Atomausstieg 2023 haben Lücken geschaffen. Gleichzeitig drücken Netzengpässe und hohe Systemkosten auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. ᴴᴱReiche, seit Mai 2025 im Amt, positioniert sich hier als Reformerin: „Die Energiewende muss ökonomisch effizient sein.“

Biografie der Ministerin: Von der Chemikerin zur Energiemanagerin

Katherina Reiche, geboren 1973 in Luckenwalde, studierte Chemie an der Universität Potsdam, in den USA und Finnland. Sie war von 1998 bis 2015 Bundestagsabgeordnete der CDU, zeitweise stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Als Parlamentarische Staatssekretärin im Umwelt- und Verkehrsministerium sammelte sie energie- und infrastrukturpolitische Erfahrung. Nach ihrer Zeit im Bundestag wechselte sie in die Wirtschaft – unter anderem als Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG (E.ON-Tochter). Ihre branchennahe Expertise wird von Unterstützern gelobt, von Kritikern jedoch als Interessenkonflikt gesehen.

Scharfe Kritik aus Koalition, Opposition und Umweltverbänden

Die Pläne stoßen auf erbitterten Widerstand. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) warnte bereits vor einem „Ausbremsen der Energiewende“. Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner kritisierte den Redispatchvorbehalt scharf: „Katherina Reiche will unverändert mit dem Redispatchvorbehalt die Erneuerbaren ausbremsen. Die Finanzierbarkeit von neuen Wind- und Solarprojekten würde so zerstört.“ Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sehen in den 12 GW Gaskapazitäten eine „fossile Agenda“ und eine „Schlappe“ für die Klimaziele.

Besonders brisant: Vorwürfe der einseitigen Einflussnahme durch die Gaslobby. Laut Recherchen des Spiegels bat das Wirtschaftsministerium den Energiekonzern EnBW explizit um Argumente, die Batteriespeicher bei den Ausschreibungen benachteiligen würden – zugunsten von Gaskraftwerken. Der EnBW-Cheflobbyist lieferte Vorschläge, die erst nach Nachfrage des »Spiegels« ins Lobbyregister aufgenommen wurden. LobbyControl sprach von „einseitiger Nähe zur Gaslobby“. Reiche wies die Vorwürfe zurück; ihr Ministerium betonte, es gehe um sachliche Expertise.

Eine vom früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Auftrag gegebene Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und anderer Institute unterstreicht hingegen positive Wirtschaftseffekte des Erneuerbaren-Ausbaus für Regionen – eine Studie, die Reiche bislang nicht prominent aufgegriffen hat.

EU-Genehmigung und langfristige Perspektive

Die EU-Kommission hat den Plänen grundsätzlich zugestimmt, nachdem anfängliche Bedenken zu Überdimensionierung (ursprünglich waren bis zu 20 GW oder mehr im Gespräch) ausgeräumt wurden. Die neuen Kraftwerke sollen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichern und gleichzeitig den Weg für eine wasserstoffbasierte Zukunft ebnen.

Ob die Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Befürworter sehen in ihr einen realistischen Pragmatismus, der Blackouts verhindert und die Industrie hält. Kritiker fürchten teure Umlagen für Verbraucher, verzögerte Erneuerbaren-Ziele und eine Verlängerung fossiler Abhängigkeiten. In den kommenden Monaten entscheidet sich, ob ᴴᴱKatherina Reiches Reformen die Energiewende „auf die Füße stellen“ – oder ob sie den Ausbau der Grünen Energien tatsächlich ausbremsen.

(Quellen: Berliner Zeitung, dpa, Spiegel, Tagesschau, Bundeswirtschaftsministerium, Umweltbundesamt; Stand: 25. April 2026)

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Exklusiver Kult um Birkin, Daytona & Co.

Wie Hermès, Louis Vuitton und Rolex Begehren manipulieren.

Bernard Arnaults LVMH und Konkurrenten wie Hermès und Rolex beherrschen die Kunst der künstlichen Verknappung perfekt. Statt Massenware schaffen sie bewusst Wartelisten, Köderkäufe und mysteriöse Selektionsprozesse. Eine Birkin-Bag oder Rolex Daytona gibt es nicht einfach zu kaufen – man muss sich „würdig“ erweisen.
Diese Strategie der kontrollierten Knappheit erzeugt irrationales Begehren. Das Produkt wird zum Statusritual, zum modernen Talisman. Exklusive Boutiquen, strenge Händlervorgaben und geheimnisvolle Inszenierungen schützen den Mythos. Werbung spricht nur Eingeweihte an, die den Glanz vergangener Eleganz suchen.
Preise? Absurd hoch und doch gerechtfertigt durch Aura und Zweitmarkt-Werte, die oft über dem Listenpreis liegen.
Luxus funktioniert hier nicht über Nutzen, sondern über Ausschluss: Wer dazugehört, fühlt sich erhaben. Wer nicht, begehrt umso mehr.

Psychologisch brillant, wirtschaftlich genial – die Luxusindustrie verkauft keine Taschen oder Uhren, sie verkauft Zugehörigkeit zu einer unsichtbaren Elite.

Ganzer Spiegel Artikel hier ➡️ PDF zum Bericht des Spiegels

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23 April 2026

Sonderbeitrag für Leistungsträger: Warkens 300-Euro-Schlag gegen Gutverdiener und Fachkräfte in der GKV


Ab 2027 soll die BBG einmalig um weitere 300 Euro steigen. Betroffen sind Millionen qualifizierte Arbeitnehmer und ihre Arbeitgeber. Während ᴴᴱNina Warken von mehr Beitragsgerechtigkeit spricht, warnen Kritiker vor einem Schlag gegen Wachstumsbranchen und Leistungsträger.

Die BBG legt fest, bis zu welchem monatlichen Bruttoeinkommen Beiträge zur GKV (und Pflegeversicherung) fällig sind. Alles darüber bleibt beitragsfrei. Derzeit (Stand 2026) liegt sie bei 5.812,50 Euro monatlich (69.750 Euro jährlich) – nach der regulären Anpassung an die Lohnentwicklung (+300 Euro gegenüber 2025).

Die geplante zusätzliche Erhöhung (im Referentenentwurf des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes von ᴴᴱNina Warken, Bundesgesundheitsministerin) sieht vor, die BBG ab 2027 einmalig um weitere ca. 300 Euro (auf dann ca. 6.112,50 Euro monatlich) anzuheben – über die jährliche Dynamisierung hinaus.

Konkreter Effekt für Betroffene:

- Wer unter der alten Grenze verdient: Keine Änderung.

- Wer knapp darüber liegt (z. B. 6.000 Euro brutto): Die zusätzlichen 300 Euro werden nun beitragspflichtig.

- Bei einem typischen kombinierten Beitragssatz (GKV ca. 14,6 % + Pflege ca. 4,2 %, geteilt AN/AG): Der Arbeitnehmeranteil steigt um ca. 300–400 Euro pro Jahr, der Arbeitgeberanteil ebenso. Gesamtmehrbelastung pro betroffenem Beschäftigten: ca. 788 Euro/Jahr (nach IW-Berechnungen, inkl. regulärer Dynamisierung).

- Gesamteinnahmen für die GKV: Ca. 2,4 Mrd. Euro (je 1,2 Mrd. von Arbeitnehmern und Arbeitgebern). IW schätzt die reale Belastung höher auf mindestens 4,2 Mrd. Euro.

Das ist keine „Steuererhöhung“ im klassischen Sinn, sondern eine Ausweitung der Bemessungsgrundlage – de facto eine höhere Abgabenlast für höhere Einkommen.


Auswirkungen auf Gutverdiener, Fachkräfte und Leistungsträger

Betroffen sind ca. 6,3 Millionen Arbeitnehmer (plus ihre Arbeitgeber) – vor allem in der oberen Mittelschicht und darüber. Besonders hart trifft es:
- Gutverdiener (z. B. ab 6.000–8.000 Euro brutto): Weniger Netto vom Brutto, spürbarer Einkommensverlust (bis zu 5,2 % mehr Abzüge).

- Fachkräfte und Leistungsträger:

Ingenieure, Informatiker, Controller, Facharbeiter in Wachstumsbranchen (Maschinenbau, Auto, Pharma, IT). Diese Gruppen verdienen oft knapp über der Grenze und werden doppelt belastet: höhere Lohnnebenkosten für Unternehmen + geringere Anreize für Leistung/Boni.

- Regionale Effekte: 

Stark in Baden-Württemberg, Bayern und exportstarken Regionen – dort konzentrieren sich hochqualifizierte Jobs. Die PKV spricht von einer „Zusatz- oder Sonderabgabe auf qualifizierte und hochqualifizierte Arbeit“.

Beispiel: Ein Ingenieur mit 7.000 Euro brutto zahlt 2027 auf 300 Euro mehr Beitrag (AN-Anteil ca. 130–150 Euro/Monat zusätzlich). Unternehmen tragen den Rest – was die Gesamtlöhne verteuert und Einstellungen erschweren kann.

Ist die Erhöhung überhaupt nötig? 

Die GKV kämpft mit Defiziten (bis zu 40 Mrd. Euro bis 2030 prognostiziert durch Demografie, teure Medizin und versicherungsfremde Leistungen). Die Erhöhung ist Teil eines Sparpakets von Nina Warken mit 19,7 Mrd. Euro Einsparungen.

Argumente FÜR die Erhöhung (Solidarität & Finanzstabilität):

- Stärkt die Beitragsgerechtigkeit: Höhere Einkommen tragen „solidarischen Beitrag“ – ohne allgemeine Beitragssatzerhöhung für alle Versicherten. Nina Warken: „So stärken wir die Beitragsgerechtigkeit und generieren einen solidarischen Beitrag von Arbeitgebern und Personen mit höheren Einkommen."

- Bringt schnelle Mehreinnahmen (2,4 Mrd. Euro), ohne das System zu überfordern. Experten der Finanzkommission sehen es als einen von mehreren Bausteinen (neben Ausgabenkürzungen).

- Verhindert stärkere Belastungen später: Ohne Maßnahme könnten Beiträge 2030 doppelt so stark steigen.
- Passt zum Solidarprinzip: GKV-Leistungen sind gleich für alle, aber bisher bleiben hohe Einkommen teilweise verschont.

Argumente GEGEN die Erhöhung (Sondersteuer auf Leistung & unnötig):

- Unnötig: Die GKV-Finanzkommission empfiehlt primär einnahmeorientierte Ausgabenpolitik und Strukturreformen statt neuer Einnahmen. „Es ist genug Geld im System“, sagt PKV-Direktor Dr. Florian Reuther. Die Erhöhung widerspricht Experten-Empfehlungen.

- Trifft genau die Falschen: Eine „Sondersteuer für Fachkräfte und Wachstumsbranchen“. Belastet Leistungsträger, erhöht Lohnnebenkosten und senkt Arbeitsanreize – kontraproduktiv bei Fachkräftemangel. IW: „Belastet [...] qualifizierte Fachkräfte, die in besonders wachstumsstarken Branchen tätig sind.“

- Wirtschaftsschaden: Höhere Kosten für Unternehmen (besonders Mittelstand/Export), geringere Wettbewerbsfähigkeit, mögliche Abwanderung von Talenten. In Regionen wie Baden-Württemberg „multiplikativ belastet“.

- Keine nachhaltige Lösung: Nur kurzfristige Einnahmen, ohne Ausgabendynamik (z. B. Arzneimittel, Kliniken) zu bremsen. Besser: Mehr Steuerzuschuss für versicherungsfremde Leistungen oder Profitbegrenzung im Gesundheitswesen.

Fazit: Die Erhöhung ist politisch umstritten (innerhalb der Koalition Kritik von Union und SPD an „Unwuchten“). Sie ist ein Kompromiss zwischen Solidarität und Belastung, birgt aber Risiken für den Faktor Arbeit und die Attraktivität Deutschlands als Standort für Fachkräfte. Quellen wie IW-Studie und PKV bieten starke Contra-Argumente; das BMG betont die Pro-Seite der Gerechtigkeit.

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ᴛᴇxᴛ:ᴴᴱɪᴘ, ᴀɪ / ϙᴜᴇʟʟᴇ: ʙᴜsɪɴᴇss- ᴡᴏʀʟᴅ ᴘʀᴇꜱꜱ, ᴱˣᴀɪ

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