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30 April 2026

Non-Food-Discounter auf dem Vormarsch

Non-Food-Discounter auf dem Vormarsch: Wie Action, Woolworth und Tedi den Fachhandel verdrängen

Discounter wie Action, Woolworth und Tedi prägen zunehmend das Bild deutscher Innenstädte. Was als Ergänzung zum klassischen Einzelhandel begann, hat sich zu einer strukturellen Verschiebung entwickelt. Nach aktuellen Auswertungen des Handelsforschungsinstituts IFH Köln rücken Non-Food-Discounter immer stärker in den Alltag der Verbraucher. In mehreren Warengruppen übernehmen sie heute Aufgaben, die früher dem Fachhandel vorbehalten waren. Besonders betroffen sind Do-it-yourself-Artikel, Haushaltswaren, Saisonprodukte, Dekoration sowie Schreib- und Spielwaren.

Treiber dieser Entwicklung ist eine Kombination aus hoher Preissensibilität und veränderter Konsummentalität. In einer repräsentativen Umfrage des IFH Köln gaben 85 Prozent der Befragten an, in den vergangenen zwei Jahren bei Non-Food-Discountern eingekauft zu haben. Auffällig ist der hohe Anteil an Spontankäufen sowie der Umstand, dass viele Kunden Produkte erwerben, die sie bei klassischen Fachhändlern nicht nachfragen würden. Preis und unmittelbare Verfügbarkeit schlagen Beratung und Langlebigkeit zunehmend aus dem Feld.

Die wirtschaftlichen Folgen für den stationären Fachhandel sind erheblich. Während Non-Food-Discounter ihren Marktanteil im Einzelhandel seit 2006 deutlich ausbauen konnten, hat sich der Anteil des nicht filialisierten Fachhandels nahezu halbiert. Parallel dazu beschleunigt sich die Marktbereinigung. Nach Zahlen des Kreditversicherers Allianz Trade erreichten die Insolvenzen im deutschen Einzelhandel 2025 mit 2.571 Fällen den höchsten Stand seit einem Jahrzehnt. Besonders betroffen sind kleinere, inhabergeführte Betriebe mit begrenzter Kapitaldecke.

Auch angrenzende Handelsformate geraten unter Druck. Baumärkte verzeichneten 2025 das dritte Umsatzminus in Folge. In den Kernsortimenten Werkzeug, Gartengeräte und Haushaltswaren sanken die Erlöse jeweils um rund vier Prozent. Branchenanalysen zeigen, dass Gelegenheitskäufer zunehmend auf das günstigere Sortiment der Discounter ausweichen. Für einfache Anwendungen genügt die Qualität, während der Preisunterschied kaufentscheidend wird. In der Summe erzielen allein Action, Woolworth und Tedi inzwischen Umsätze im Bau- und Gartenbereich in Milliardenhöhe.

Die Expansion der Discounter verstärkt diesen Effekt. Action betreibt aktuell mehr als 600 Filialen in Deutschland und hat sein europaweites Netz bis Ende 2025 auf über 3.300 Standorte ausgebaut. Das Wachstum folgt einem klaren Muster: standardisierte Flächen, hohe Warenrotation, aggressive Preispolitik und stetig wechselnde Sortimente. Innenstädte profitieren kurzfristig von Frequenz, verlieren jedoch langfristig an Vielfalt.

Zusätzlich verschärft der internationale Onlinehandel den Wettbewerbsdruck. Eine Studie von IW Consult im Auftrag des Handelsverbands Deutschland beziffert den jährlichen Umsatzverlust für den deutschen Einzelhandel durch die Plattformen Temu und Shein auf rund 2,5 Milliarden Euro. Der wirtschaftliche Gesamtschaden liegt deutlich höher, da Wertschöpfungsketten, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen betroffen sind. Bereits mehr als 40.000 Stellen im Handel gelten als weggefallen.

Die strukturelle Veränderung im Einzelhandel ist damit keine vorübergehende Delle, sondern Ausdruck eines tiefgreifenden Wandels. Preisorientierung, Skaleneffekte und internationale Wettbewerber setzen den klassischen Fachhandel von mehreren Seiten unter Druck. Ohne klare Positionierung, Spezialisierung und verbesserte Rahmenbedingungen droht vielen Innenstädten ein weiterer Verlust an wirtschaftlicher Substanz und gestalterischer Identität.

Quellen:
  
IFH Köln  
Allianz Trade  
Handelsverband Heimwerken, Bauen und Garten  
IW Consult  
Handelsverband Deutschland  
Branchen- und Unternehmensveröffentlichungen 2025–2026

* * * * ᴛᴇxᴛ : ᴴᴱɪᴘ » ᴀɪ » ᴅɴᴅ sᴜᴇᴅ : ϙᴜᴇʟʟᴇ: ʙᴜsɪɴᴇss - ᴡᴏʀʟᴅ ᴘʀᴇꜱꜱ, ᴱˣᴀɪ 𝔗𝔥𝔢 𝔈𝔵𝔠𝔢𝔩𝔩𝔢𝔫𝔠𝔶

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