Energiewende im Umbruch: ᴴᴱKatherina Reiche verteidigt Gas-Backups und strukturelle Reformen – Ein Wendepunkt für Deutschlands Stromversorgung?
Berlin, 25. April 2026 – Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat am Mittwoch im Haus der Bundespressekonferenz ihre umstrittenen Pläne zur Reform der Energiewende entschieden verteidigt. Noch in diesem Jahr sollen erste Ausschreibungen für neue Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von zwölf Gigawatt (GW) starten – eine Maßnahme, die als Rückversicherung gegen „Dunkelflauten“ dienen soll, jene Phasen, in denen Wind und Sonne wenig Strom liefern. „Gerade im Energiebereich haben wir jetzt die Chance zu zeigen, dass wir es mit echten strukturellen Reformen ernst meinen“, sagte Reiche. Energiepolitik müsse wieder „ein verlässliches Fundament für Wachstum, Innovation und industrielle Stärke in Deutschland“ werden.
Die Ministerin betonte, dass die erneuerbaren Energien „das Rückgrat der Stromversorgung“ blieben. Gleichzeitig warnte sie vor einer Energiewende, die Systemkosten ignoriere: Überkapazitäten bei Wind und Solar, die subventioniert ins Ausland exportiert würden, während im Inland die Preise stiegen, seien keine Zukunft. Stattdessen setzt Reiche auf eine pragmatische Ergänzung durch flexible, wasserstofffähige Gaskraftwerke – ein Kurswechsel, der in der Ampel-Nachfolgekoalition unter Kanzler ᴴᴱFriedrich Merz (CDU) für heftige Debatten sorgt.
Die Pläne im Detail: 12 GW neue Kapazitäten bis 2031
Laut internen Informationen aus dem Bundeswirtschaftsministerium, die der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vorliegen, geht es um Ausschreibungen für insgesamt zwölf Gigawatt neuer Kraftwerksleistung. Davon sollen zehn Gigawatt „Langzeit-Kapazitäten“ sein: Anlagen, die über längere Zeiträume ununterbrochen Strom bereitstellen können – vorrangig Gaskraftwerke. Die verbleibenden zwei Gigawatt sind technologieoffen ausgeschrieben, etwa für Batteriespeicher. Bis zu zwei Drittel der Langzeitkapazitäten sollen gezielt im Süden, Westen und Südwesten Deutschlands entstehen, wo Netzengpässe besonders drücken.
Die Ausschreibungen sind für September und Dezember 2026 geplant. Die Anlagen müssen spätestens 2031 betriebsbereit sein und 15 Jahre lang für die Versorgungssicherheit zur Verfügung stehen. Finanziert werden die Kosten über eine neue Stromumlage, die ab 2031 auf alle Verbraucher umgelegt wird. Ein zentraler Klimaschutzaspekt: Alle geförderten Kraftwerke sollen nach 2045 auf Wasserstoff umgestellt werden und damit klimaneutral arbeiten.
Die Pläne sind Teil eines umfassenderen „Netzpakets“ und einer Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Ziel ist es, den Ausbau von Wind- und Solaranlagen besser an den schleppenden Netzausbau anzupassen. In Regionen mit hohen Abregelungsquoten (mehr als drei Prozent der Erzeugung im Vorjahr) sollen neue Erneuerbare-Projekte künftig nur ans Netz, wenn Betreiber zehn Jahre lang auf Entschädigungen bei Abregelungen verzichten – der sogenannte „Redispatchvorbehalt“.
Hintergrund: Wo steht die Energiewende 2026?
Deutschland hat in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte beim Ausbau der Erneuerbaren gemacht. Im ersten Quartal 2026 lag ihr Anteil am Stromverbrauch bei rund 53 Prozent – ein Anstieg um fast sechs Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr 2025 wird von etwa 55 Prozent ausgegangen. Das Ziel der Bundesregierung: 80 Prozent bis 2030. Wind- und Solarenergie dominieren inzwischen den Mix, während Kohle (2024 noch 21,6 Prozent) kontinuierlich zurückgedrängt wird. Der Kohleausstieg soll spätestens 2038 abgeschlossen sein.
Dennoch bleiben Herausforderungen: Die volatile Erzeugung aus Erneuerbaren erfordert flexible Reserven für Dunkelflauten. Der schrittweise Abschied von Kohle und der Atomausstieg 2023 haben Lücken geschaffen. Gleichzeitig drücken Netzengpässe und hohe Systemkosten auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. ᴴᴱReiche, seit Mai 2025 im Amt, positioniert sich hier als Reformerin: „Die Energiewende muss ökonomisch effizient sein.“
Biografie der Ministerin: Von der Chemikerin zur Energiemanagerin
Katherina Reiche, geboren 1973 in Luckenwalde, studierte Chemie an der Universität Potsdam, in den USA und Finnland. Sie war von 1998 bis 2015 Bundestagsabgeordnete der CDU, zeitweise stellvertretende Fraktionsvorsitzende. Als Parlamentarische Staatssekretärin im Umwelt- und Verkehrsministerium sammelte sie energie- und infrastrukturpolitische Erfahrung. Nach ihrer Zeit im Bundestag wechselte sie in die Wirtschaft – unter anderem als Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG (E.ON-Tochter). Ihre branchennahe Expertise wird von Unterstützern gelobt, von Kritikern jedoch als Interessenkonflikt gesehen.
Scharfe Kritik aus Koalition, Opposition und Umweltverbänden
Die Pläne stoßen auf erbitterten Widerstand. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) warnte bereits vor einem „Ausbremsen der Energiewende“. Der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner kritisierte den Redispatchvorbehalt scharf: „Katherina Reiche will unverändert mit dem Redispatchvorbehalt die Erneuerbaren ausbremsen. Die Finanzierbarkeit von neuen Wind- und Solarprojekten würde so zerstört.“ Umweltverbände wie die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sehen in den 12 GW Gaskapazitäten eine „fossile Agenda“ und eine „Schlappe“ für die Klimaziele.
Besonders brisant: Vorwürfe der einseitigen Einflussnahme durch die Gaslobby. Laut Recherchen des Spiegels bat das Wirtschaftsministerium den Energiekonzern EnBW explizit um Argumente, die Batteriespeicher bei den Ausschreibungen benachteiligen würden – zugunsten von Gaskraftwerken. Der EnBW-Cheflobbyist lieferte Vorschläge, die erst nach Nachfrage des »Spiegels« ins Lobbyregister aufgenommen wurden. LobbyControl sprach von „einseitiger Nähe zur Gaslobby“. Reiche wies die Vorwürfe zurück; ihr Ministerium betonte, es gehe um sachliche Expertise.
Eine vom früheren Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) in Auftrag gegebene Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und anderer Institute unterstreicht hingegen positive Wirtschaftseffekte des Erneuerbaren-Ausbaus für Regionen – eine Studie, die Reiche bislang nicht prominent aufgegriffen hat.
EU-Genehmigung und langfristige Perspektive
Die EU-Kommission hat den Plänen grundsätzlich zugestimmt, nachdem anfängliche Bedenken zu Überdimensionierung (ursprünglich waren bis zu 20 GW oder mehr im Gespräch) ausgeräumt wurden. Die neuen Kraftwerke sollen die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sichern und gleichzeitig den Weg für eine wasserstoffbasierte Zukunft ebnen.
Ob die Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten. Befürworter sehen in ihr einen realistischen Pragmatismus, der Blackouts verhindert und die Industrie hält. Kritiker fürchten teure Umlagen für Verbraucher, verzögerte Erneuerbaren-Ziele und eine Verlängerung fossiler Abhängigkeiten. In den kommenden Monaten entscheidet sich, ob ᴴᴱKatherina Reiches Reformen die Energiewende „auf die Füße stellen“ – oder ob sie den Ausbau der Grünen Energien tatsächlich ausbremsen.
(Quellen: Berliner Zeitung, dpa, Spiegel, Tagesschau, Bundeswirtschaftsministerium, Umweltbundesamt; Stand: 25. April 2026)
ᴛᴇxᴛ:ᴴᴱɪᴘ, ᴀɪ / ϙᴜᴇʟʟᴇ: ʙᴜsɪɴᴇss- ᴡᴏʀʟᴅ ᴘʀᴇꜱꜱ, ᴱˣᴀɪ
𝔗𝔥𝔢 𝔈𝔵𝔠𝔢𝔩𝔩𝔢𝔫𝔠𝔶

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