Deutschlands teuerster Leerstand: Über 2,82 Milliarden Euro Sanierungsstau bei bundeseigenen Gebäuden im Ausland – Warum marode Botschaften und ungenutzte Residenzen Steuergelder verschlingen.
Berlin, 22. April 2026** – Während in Deutschland viele Bürger mit steigenden Energiekosten und maroder Infrastruktur kämpfen, türmt sich bei den Auslandsliegenschaften des Bundes ein Sanierungsstau von gigantischen Ausmaßen auf. Neue Zahlen der Bundesregierung offenbaren: Allein die Immobilien des Auswärtigen Amts (AA) erfordern rund 2,8 Milliarden Euro an dringenden Instandsetzungsmaßnahmen. Hinzu kommen 7,4 Millionen Euro beim Verteidigungsministerium und 12 Millionen Euro bei Einrichtungen des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien (BKM). Insgesamt sprechen die offiziellen Angaben von 2,82 Milliarden Euro – eine Summe, die monatlich weitere Millionen an Betriebs-, Miet- und Baukosten nach sich zieht.
Die Daten stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag (Drucksache 21/5370 vom 13. April 2026). Sie werfen ein Schlaglicht auf ein System, das seit Jahren von Kritik des Bundesrechnungshofs (BRH) begleitet wird: fehlende strategische Planung, unwirtschaftliche Entscheidungen und ein Leerstand, der die Würde deutscher Repräsentanz im Ausland untergräbt.
Die nackten Zahlen: Monatlich über 14 Millionen Euro laufende Kosten
Der Sanierungsbedarf ist nicht nur hoch – er verursacht auch immense Folgekosten. Allein für Betrieb, Instandhaltung und Ausstattung der Auslandsliegenschaften fallen durchschnittlich 1,7 Millionen Euro pro Monat an. Dazu kommen 3,45 Millionen Euro Mietkosten und knapp 9,75 Millionen Euro für Baumaßnahmen. Summiert ergibt sich ein monatlicher Aufwand von deutlich über 14 Millionen Euro – Steuergelder, die direkt aus dem Bundeshaushalt fließen.
Das Auswärtige Amt trägt den Löwenanteil: 1,236 Millionen Euro monatlich für Betrieb und Instandhaltung, 9,586 Millionen Euro für Baumaßnahmen und 3,283 Millionen Euro Mieten. Im Geschäftsbereich des Verteidigungsministeriums sind es 434.000 Euro Betriebskosten, 160.000 Euro Baumaßnahmen und 163.000 Euro Mieten. Beim BKM entstehen keine Mietkosten, da die Liegenschaften ausschließlich im Bundeseigentum stehen – hier belaufen sich die Betriebskosten auf 35.000 Euro und Baumaßnahmen auf 5.000 Euro monatlich.
Der Bundesrechnungshof schätzt den Sanierungsstau bei Auslandsliegenschaften des AA sogar auf mindestens drei Milliarden Euro. Grund: Stark steigende Baupreise (plus 45 Prozent beim Baupreisindex von 2020 bis 2025) und ein jahrelanger Investitionsstau. Im Haushaltsentwurf 2026 sind für Auslandsbaumaßnahmen 142,5 Millionen Euro vorgesehen – ein Anstieg, doch Experten bezweifeln, ob dies reicht, um den Rückstand aufzuholen.
40 ungenutzte Immobilien: Der teure Leerstand
Besonders brisant: Derzeit stehen 40 bundeseigene Liegenschaften im Ausland leer. Davon entfallen 37 auf den Bereich des Auswärtigen Amts, 23 davon mit ausdrücklicher Veräußerungsabsicht. Gründe sind vorübergehende Schließungen von Auslandsvertretungen, laufende Sanierungen, geplante Neubauten oder Prüfungen zur Verwertung. Beim Verteidigungsministerium sind drei Liegenschaften ungenutzt, zwei sollen verkauft werden. Die Einrichtungen des BKM sind dagegen voll in Nutzung.
Seit Anfang 2025 gab es Veränderungen: Drei Dienstwohnungen wurden in Dschuba (Südsudan) erworben. Verkauft wurden hingegen zwei Dienstwohnungen in Lusaka (Sambia) und Antananarivo (Madagaskar), ein unbebautes Grundstück in Brasília sowie ehemalige Kanzleien in Pretoria (Südafrika) und São Paulo (Brasilien). Das Verteidigungsministerium und das Kulturstaatsministerium verzeichneten keine Änderungen.
Historische Kritik des Bundesrechnungshofs: Fehlende Strategie und unwirtschaftliche Käufe
Der BRH kritisiert seit Jahren das Immobilienmanagement des Auswärtigen Amts. Es fehle eine übergreifende Liegenschaftsstrategie für Kauf, Miete und Verwaltung von Residenzen sowie wirksame interne Kontrollen, um ungenutzte Objekte zu identifizieren und verlustfrei zu verkaufen. Neue Leitlinien vom Oktober 2024 seien ungeeignet für eine zielgerichtete Steuerung. Der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags hat dies im Juni 2025 anerkannt und fordert weiterhin eine umfassende Strategie.
Konkrete Beispiele aus früheren BRH-Berichten unterstreichen das Problem: 2021 kaufte das AA ein parkähnliches Grundstück mit Gebäude in Brüssel für fast acht Millionen Euro – ohne nachgewiesenen Bedarf, ohne Alternativenprüfung und ohne Wirtschaftlichkeitsuntersuchung. Solche Entscheidungen verstoßen gegen die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit (§ 7 BHO). Der BRH moniert auch unentgeltliche Übertragungen von Liegenschaften an das Goethe-Institut, die oft zu groß oder ungeeignet sind und weitere Millionen für Instandhaltung binden.
Politischer Kontext: Warnrufe von Johann Wadephul
Bereits im Juli 2025 hatte Außenminister ᴴᴱJohann Wadephul (CDU) Alarm geschlagen: Von 225 Auslandsvertretungen seien über 50 in schlechtem baulichen Zustand oder unzureichend gesichert. „Wir haben Botschaften, die fast zusammenbrechen“, warnte Wadephul im Bundestag und forderte mehr Mittel für Sanierungen. Er betonte, dass Mitarbeiter „guten Gewissens“ ins Ausland entsandt werden müssten – eine Frage der nationalen Repräsentanz und Sicherheit.
Das Auswärtige Amt verweist auf bestehende Leitlinien für das Immobilienmanagement und interne Abstimmungen. Zu konkreten weiteren Verkäufen oder Käufen macht die Regierung keine Angaben – mit Verweis auf laufende Verhandlungen. Das Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten (BfAA) und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) sind für Planung und Umsetzung zuständig.
Konsequenzen für Deutschlands Ansehen im Ausland
Der Sanierungsstau geht weit über reine Zahlen hinaus. Marode Botschaften und leere Residenzen schaden dem internationalen Ansehen Deutschlands. In Zeiten geopolitischer Spannungen und wachsender Konkurrenz durch andere Nationen wirkt eine vernachlässigte diplomatische Infrastruktur wie ein Signal der Schwäche. Gleichzeitig belasten die Kosten den Bundeshaushalt – Geld, das an anderer Stelle fehlt.
Die AfD-Anfrage hat die Debatte neu entfacht. Sie fordert Transparenz und Konsequenzen: konsequenten Verkauf ungenutzter Objekte, strengere Wirtschaftlichkeitsprüfungen und eine echte Strategie, die nationale Interessen priorisiert. Der BRH empfiehlt seit Langem genau das – und mahnt, dass pauschale Annahmen und grobe Schätzungen kein Ersatz für fundierte Planung sind.
Ob die neue Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hier Abhilfe schafft, bleibt abzuwarten. Der Sanierungsstau ist kein neues Problem – er reicht zurück bis in die 2010er-Jahre. Doch die aktuellen Zahlen machen eines klar: Deutschland kann es sich nicht leisten, seine Präsenz im Ausland verfallen zu lassen. Die Zeit für entschlossenes Handeln ist gekommen – im Interesse der Steuerzahler und der deutschen Diplomatie weltweit.
**Quellen:** Antwort der Bundesregierung auf Kleine Anfrage der AfD (Drucksache 21/5370), Bundesrechnungshof-Berichte zu Einzelplan 05, Berichterstattung von Merkur.de und weiteren Medien. Weitere Details und Dokumente sind öffentlich einsehbar über den Bundestag und den BRH.
ᴛᴇxᴛ:ᴴᴱɪᴘ, ᴀɪ / ϙᴜᴇʟʟᴇ: ʙᴜsɪɴᴇss- ᴡᴏʀʟᴅ ᴘʀᴇꜱꜱ, ᴱˣᴀɪ
𝔗𝔥𝔢 𝔈𝔵𝔠𝔢𝔩𝔩𝔢𝔫𝔠𝔶
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