Öl im Würgegriff der Geopolitik
Ein einzelner irakischer Tanker mit einer Million Barrel Rohöl hat am Wochenende die Straße von Hormus passiert. Iran nimmt seinen OPEC-Partner Irak demonstrativ von den Transitbeschränkungen aus – ein kleiner, symbolischer Lichtblick inmitten des laufenden Krieges. Doch die Realität bleibt düster: Seit Ende Februar blockiert Teheran faktisch das Nadelöhr, durch das normalerweise ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssiggases fließt. Bis zu 15 Millionen Barrel pro Tag fehlen dem Markt.
OPEC+ reagierte am Sonntag mit einem Beschluss: Die acht maßgeblichen Mitglieder heben die Förderquoten für Mai um 206.000 Barrel täglich an. Eine Geste, die Experten wie Jorge Leon von Rystad Energy als „akademisch“ bezeichnen. Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak – die einzigen, die überhaupt nennenswert ausweiten könnten – sitzen hinter der Blockade fest. Ihre zusätzlichen Barrel bleiben auf dem Papier. Schäden an Infrastruktur machen eine schnelle Erholung teuer und langwierig.Der Brent-Preis notiert derzeit bei fast 120 Dollar. Analysten warnen: Bei anhaltender Sperre drohen 150 Dollar und mehr. Die Weltwirtschaft spürt bereits den Schock – von steigenden Energiepreisen in Europa bis zu Rationierungsängsten in Asien.

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